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Artikel:

Die Werkzeuge des Architekten

12.07.2010

 

Der Architekt liefert die Pläne für ein von ihm erdachtes architektonisches Bauwerk. Bereits im Altertum genießt der Beruf hohe Anerkennung, viele Baumeister werden namentlich überliefert: man denke an Imhotep, der für Djoser die Stufenpyramide in Sakkara erbaute (2649 - 2575 v.Chr.), oder an Iktinos und Kallikrates, die Erbauer des Parthenon. In römischer Zeit treten Persönlichkeiten wie Apollodor von Damaskus und Rabirius hervor; der Theoretiker Vitruv jedoch wird durch sein Traktat Zehn Bücher über Architektur (31 - 15 v. Chr.) bekannter als durch seine Bauten. Fast das gesamte Mittelalter hindurch wird die Architektur den „mechanischen Künsten" zugerechnet, doch ab dem 12. Jh. tauchen die ersten Namen auf, denen konkrete Bauwerke zugeschrieben werden können. Lanfranco mit dem Dom zu Modena, Buscheto mit dem Dom zu Pisa, Wilhelm von Sens mit der Kathedrale von Canterbury. Zur Zeit der gotischen Dombaustellen erhält der Architekt eine geometrisch-mathematische Ausbildung; die Kathedralschule von Chartres beschreibt Gott als mundi elegans architectus, als Weltbaumeister, der den Kosmos nach einer rationalen, geometrischen Ordnung erschuf. Auf diese Metapher vom göttlichen Baumeister gründen die Architekten am Übergang zu Renaissance ihr Streben nach Anerkennung als Intellektuelle, deren Ausbildungsweg nicht mehr über die Praxis des Handwerks führt, sondern über das Studium der Arithmetik, der Geometrie und der Geschichte, die von der Tradition Vitruvs und den Baudenkmälern der Antike repräsentiert wird. Der Architekt wird damit also zu einem Erfinder und Ausführenden zugleich, der über einen humanistisch-theoretischen Hintergrund verfügt. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. führt die zunehmende Bedeutung der Akademien zur Ausbildung einer neuen Berufsidentität mit eigenen Symbolen (Winkelmaß und Zirkel), die erst 200 Jahre später mit dem Aufkommen des individuellen Freiberuflertums verdrängt wird. Mit dem Beginn des Industriezeitalters kommt es zu tief greifenden Veränderungen beim Berufsbild des Architekten. In der modernen und zeitgenössischen Architektur mutiert er zum Erfinder und Gestalter von Räumen. Sein Wirkungsfeld ist breit gefächert und setzt ein umfassendes allgemeines und berufsspezifisches Wissen voraus; der Architekt steht im Zentrum eines weit verzweigten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Beziehungsnetzes, der mit ausführenden Ingenieuren und Handwerkern zusammen wirkt.

 

Zu den Werkzeugen des Architekten gehören: Darstellende Geometrie, Grundriss und Lageplan, Aufriss und Schnitt, Architekturzeichnung, Entwurf, Modell, Rendering, Architekturtheorie. In diesem Artikel sind Grundriss und Lageplan, Aufriss und Schnitt sowie Architekturzeichnung besprochen.

 

Grundriss und Lageplan

 

Ein Grundriss ist ein Horizontalschnitt in verkleinertem Maßstab durch ein Gebäude, einen Gebäudeteil oder ein architektonisches Element. Der Grundriss als gedachter Schnittnstellt die Lage und Größe der Innenräume und der Elemente, die diese definieren, wie Türen, Fenster, Treppen, Stützelemente, in orthogonaler Projektion dar. Trotz seiner Abstraktion und obwohl er keiner konkreten optischen Erfahrung entspricht, hat der Grundriss große Bedeutung für die Enwurfsarbeit und stellt ein wirksames Instrument für die Beurteilung eines Bauwerks dar. Die wichtigsten historischen Grundrissformen sind: der Zentralbau, in dem die Baukörper symetrisch um einen gedachten Mittelpunkt herum angeornet sind; der Längsbau oder Basilikengrundriss, der symetrisch an einer Mittelachse ausgerichtet ist; der kreuförmige Grundriss, der aufgrund seiner offensichtlichen Kreuzsymbolik in der christlichen Sakralarchitektur vorherrscht, mit seinen Varianten griechisches Kreuz (mit gleich langen Armen), latainisches Kreuz (dessen Schaft, also das Hauptschiff des Baus, länger ist als die Arme, das Querhaus) und Antoniuskreuz (T-förmig); der eliptische Grundriss, der aus miteinander verbundenen Ellipsen aufgebaut ist; und der freie Grundriss, der keine besonderen geometrischen Formen und keine Schemata oder symetrischen Entsprechungen aufweist. Der in der modernen Architektur entwickelte freie Grundriss ist ausschließlich den funktionalen Notwendigkeiten des Baus und der persönlichen Interpretation der Raumverhältnisse durch den Architekten verpflichtet. Ein Lageplan ist eine topografische Projektion auf eine Ebene, die keine Höhendifferenzen berücksichtig; als solche wird er in der Urbanistik eingesetzt, um die Bestimmung eines Gebiets und dessen Bebauung festzulegen. Herkunft des Begriffs: Das italienische Wort pianta, deutsch Plan, hält im 16. Jh. in die Sprache der Architektur Einzug und ersetzt das gelehrte Ichnographie, mit dem Vitruv die "Verzeichnung der Bodenfläche" bezeichent hat.

 

Aufriss und Schnitt

 

Der Aufriss ist die Ansicht eines architektonischen Werks oder eines Teiles davon als orthogonale Projektion in eine vertikale Ebene. Der Aufriss kann sowohl einer Innen- als auch einer Außenansicht entsprechenund istnicht unbedingt mit der Vorderansicht gleichzusetzten, obwohl er diese oft zeigt. Der Aufriss wird von Architekten in der Entwurfsphase ebenso wie in der Ausführungsplanung gebraucht und kann daher auch Gebäude abbilden, die schließlich nicht realisiert wurden.Es handelt sich um ein beschreibendes Verfahren, das in der Entwurfsphase ein unverzichtbares Kontrollinstrument darstellt, bei der Ausführung die Überprüfung der Plankonformität erleichtet sowie die geometrischen und räumlichen Verhältnisse eines Gebäudes verdeutlicht. Der Aufriss muss keine technische Zeichnung sein, er kann auch andere Techniken nutzen, wie die wertvolle Zeichnung des niederländischen Architekten und Urbanisten Jacobus Johannes Oud, die alle ästhetischen Qualitäten der Fassade seines Café De Unie in Rotterdam zur Geltung bringt: eine glatte, weiß getünchte Oberfläche, auf der sich die in klaren Mondrian-Farben gestrichenen Fenster- und Türrahmen abheben und an die Formen eines abstrakten Kubismus erinnern. Der Schnitt hingegen ist die graphische Wiedergabe eines gedachten vertikalen, manchmal auch schrägen, Schnitts durch ein Gebäude, der nützlich ist, um dessen Innenaufteilung, die Stärke der Mauern, die Art der Gewölbe, die Formen des Dachaufbaus etc. darzustellen. Er ist ein Hilfsmittel von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der räumlichen Verhältnisse im Inneren eines Baus.

 

Architekturzeichnung

 

Die Architekturzeichnnung ist eine der Formen - vielleicht die spontanste und unmittelbarste -, in der sich die Entwurfstätigkeit eines Architekten ausdrückt; sie hält die wichtigsten Eigenschaften des Entwurfs fest und verdeutlicht den Unterschied zwischen der theoretisch-künstlerischen und der bautechnischen Seite. Die Architekturzeichnung kann verschiedene Formen annehmen, die der technischen Zeichnung, der Freihandzeichnung, der Skizze; sie kann das ganze Gebäude oder nur Teile davon abbilden sowie handschriftliche Zusätze und Korrekturen enthalten. Auch wenn im 13. Jh. das Livre de portaiture von Villard de Honnecourt bereits die doppelte Funktion der Architekturzeichnung als Suche nach der Form und als Anleitung für  die Ausführung definiert, so wird erst im Laufe des 15. Jh. durch die Kultur der Humanisten und spetiell durch Leon Battista Alberti und sein De re aedificatoria die Zeichnung als intellektuelle Leistung des Entwerfers/ Künstlers kanonisiert - getrennt von der Ausführung, mit der Dritte beauftragt werden. Seit dieser Zeit hat die Architekturzeichnung einige grundlegende Transformationen erlebt; die Eroberung der Perspektive, die Kanonisierung der architektonischen Ordnungen, die Definition der analytisch-mathematischen Gesetze der Darstellung im 17. Jh., die wissenschaftliche Begründung der darstellenden Geometrie und die definitive Formulierung der Zentralprojektion, die der Parallelprojektion und der Axonometrie zugrundeliegt. Im 18. Jh. entwickelt sich die Architekturzeichnung vom Ausdruck der Kreativität und der recherche zur technischen Planzeichnung weiter, während die jüngsten Tendenzen dahin gehen, der Zeichnung eine überwigend kommunikative Rolle zuzuweisen.

 

Autorin des Artikels:

Francesca Prina

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Mit freundlichen Genehmigung © Parthas Verlag Berlin 2009

Link: Bücher bei Parthas Verlag Berlin

 

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