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Das Kapital entdeckt den Klimaschutz
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Artikel:
Das Kapital entdeckt den Klimaschutz
13.07.2010
[...] Tagtäglich fliegen von den Finanzplätzen der Welt aus rund 9 Billionen Euro an kapital rund um den Globus auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten. Was wäre, wenn dieses Geld zur Rettung der Welt eingesetzt würde? Nicht, weil das Kapital plötzlich die Moral entdeckt. Sondern weil es auf diesem Weg Profit machen kann. Weil der Klimawandel die Anlagekriterien verändert. Weil der Klimaschutz milliardenschwere neue Märkte mit sich bringt. Und weil vom Klimaschutz schon jetzt jeder auch finanziell profitieren kann, Heuschrecken und Handwerker, Konzerne und Kleinanleger, Venture-Capital-Firmen und Verbraucher. [...]
Wer das moralisch bewertet und ablehnt, weil er zwar die Welt vor dem Klimakollaps retten will, aber das kapitalistische Wirtschaftssystem grundsätzlich überwinden will, der macht den gleichen Fehler, wie ihn Generationen von linken Umweltschützern schon vor ihm gemacht haben. Er geht in Fundamentalopposition, zeigt auf den Kapitalismus als hauptschuldigen des vom Menschen gemachten Klimawandels und will diesen im Rahmen der Weltrettung gleich mit abschaffen. es ist allerdings zu befürchten, dass dafür keine Zeit bleibt.
[...]
Der Klimaschutz als Markt
Stern bezeichnet den Klimawandel in seinem Bericht als "das größte Versagen des Marktes, das die Welt je gesehen hat". Aber ist das richtig? Sicher hat der Markt, also das Kapital, nicht langfristig genug die Endlichkeit der von ihm genutzten Ressourcen und die Folgen der fossilen Wirtschaft im Blick gehabt. Aber geht es im Kapitalismus nicht immer genau darum, Ressourcen zur Profitmaximierung auszubeuten? Und ist das dem Markt wirklich vorzuwerfen? Wäre es nicht schon längst Aufgabe der Politik gewesen, dem profit- und nicht moralorientiertem Markt engere Grenzen zu setzen? Es spricht viel dafür, dass der Klimawandel weniger von Markt- als vor allem von Politikversagen zeugt.
Denn in dem Moment, in dem die Politik reagiert und einen neuen ordnungspolitischen Rahmen festlegt, wie zum Beispiel den Emissionshandel einführt und dem Kohlendioxid einen Preis gibt, reagiert auch der Markt. Sicher, zunächst immer mit Ablehnung und Rückzugsgefechten, wie bei nahezu jeder anderen Umweltschutzauflage auch. Die Automobilbranche liefert dafür eine Vielzahl von Beispielen: Der Katalysator, der Dieselrußfilter, alles angeblich in höchstem Maße schädlich für die Branche. aber letztendlich war der Markt unglaublich anpassungsfähig und fand schnell wieder Möglichkeiten, weiter Profit zu machen.
Das Prinzip funktioniert auch beim Klimaschutz. Die Dekarbonisierung der Wirtschaft schafft neue Produkte und Geschäftsfelder. Der Emissionshandel allein ist ein milliardenschwerer Markt, der über kurz oder lang weltweit vernetzt sein wird. Neue Branchen entstehen, neue Berufsfelder, wie CO2-Kompensatoren oder Energieberater. Die zunehmende Knappheit fossiler Ressourcen und steigende Rohstoffpreise verstärken den Trend hin zu einer ökologischeren und effizienteren Wirtschaft. Und es gibt Unternehmer, die das erkannt haben.
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Wir können das Klima retten, oder zumindest einen Beitrag leisten, und damit Geld verdienen. Aber wo sind die Märkte? Wohin fließen die Milliarden? Wer gibt das Geld aus welchen Gründen? Wo sind die Scharlatane, wo drohen Fehlentwicklungen? Und wo sind die Chancen für Jedermann? [...]
Wer bezahlt?
Zunächst die Steuerzahler und die Regierungen, die weltweit mehr oder weniger ambitionierte Klimaschutzprogramme starten. Aber wo stehen die einzelnen Länder? Ist Deutschland wirklich so führend, wie es die Klimadiplomatie von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim G8-Treffen in Heiligendamm suggerierte? Was ist mit den Entwicklungsländern? Die Umweltschutzorganisation Germanwatch hat einen viel beachteten Klimaschutz-Index entwickelt, der darüber Auskunft gibt. [...]
Zu den Geldgebern für die neuen Märkte gehören auch die Weltbank und die untergeordneten regionalen Entwicklungsbanken, die vor allem in den Ländern des Südens Klimaschutzprojekte und eine regenerative Energieerzeugung ermöglichen sollen. Diesen Auftrag haben sie von den G8-Staaten erhalten. Erfüllen sie ihn? [...]
Auch auf den Finanzmärkten hat das Thema Klimaschutz mittlerweile eine große Bedeutung gewonnen. Christian Weistroffer, Analyst in der Research-Abteilung der Deutschen Bank, liefert einen umfassenden Überblick über Anlagemöglichkeiten, also über Cat-Bonds und Co. Ein wichtiger Markt dabei ist auch der EU-Emissionshandel, der in der ersten Periode aber vor allem ein Milliardengeschenk für die Energiekonzerne war und für steigende Strompreise gesorgt hat. Zahlt der Kunde weiterhin die Zeche? [...]
Allerdings zahlen schon jetzt auch Energiekonzerne und andere unternehmen der verarbeitenden Industrie für Projekte des so genannten Clean Development Mechanism (CDM). Durch die Finanzierung von CO2-sparenden Projekten in Entwicklungsländern können Investoren aus Industrieländern zusätzliche Verschmutzungsrechte erwerben - ein schnell wachsender Markt. Allein 2007 haben Regierungen CDM-Gutschriften im Wert von 2,7 Milliarden Euro gekauft, hinzukommen milliardenschwere Investitionen von Unternehmen. [...]
Auch an anderer Stellen investieren Unternehmen in die Verbesserung ihrer Klimabilanz. Denn für Finanzinvestoren aus der ganzen Welt ist der Umgang mit CO2-Emissionen mittlerweile entscheidend bei der Frage, welche Unternehmensaktien sie kaufen, und welche nicht. Doch dafür brauchen sie Informationen. SO hat sich neben der klassischen Aktienanalyse mit dem Nachhaltigkeitsresearch eine neue Dienstleistung fest etabliert. [...]
Neben den großen Investoren wie Investmentbanken und Pensionsfonds geben auch zahlreiche Kleinanleger ihr Geld an den Aktienmarkt. Ihnen werden mittlerweile so genannte "Klima-Fonds" angeboten. Doch welcher ist wirklich empfehlenswert
Autor des Artikels:
Stephan Kosch,
stellvertretender Leiter des Ressorts Wirtschaft und Umwelt der tageszeitung in Berlin.
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