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Informationen, Produkte und Dienstleistungen zum Thema Gesundheit und Medizin:

Thema: Medizinische Informationen

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Thema: Psychologie, Medizinische Fachgebiete

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Die „Erfinder" dieser Methode - Grinder und Bandler - griffen die wirkungsvollen Verhaltensmuster auf und entwickelten daraus ein effektives Instrument für die gesamte zwischenmenschliche Kommunikation.

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Artikel:

Allergie - eine moderne Krankheit

14.07.2010

 

Die Allergie ist eine moderne Krankheit mit einer relativ kurzen, aber dennoch ergiebigen und zuverlässigen Geschichte. Auch wenn Asthma und Ekzeme seit Antike als klinische Leiden bekannt waren und Heuschnupfen im frühen 19. Jahrhundert ausführlich beschrieben worden war, bahnte sich die Erkenntnis, dass diese chronischen Leiden möglicherweise eine gemeinsame Ursache haben und sich eine Krankheitsgeschichte teilen könnten, die man gut unter der Rubrik „Allergie" zusammenfassen konnte, erstmals um 1900 ihren Weg. Sie war Nebenprodukt der rasanten Entwicklungen der biomedizinischen Wissenschaft und der klinischen Praxis. Die Allergie erlangte schnell eine führende Stellung in der Moderne. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Allergie" von Ärzten und ihren Patienten in der ganzen Welt auf eine immer größere Zahl von körperlichen und seelischen Symptomen angewandt. Man nahm an, dass allergische Reaktionen sowohl für Heuschnupfen, Asthma, Ekzeme, Urtikaria, Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten und Reaktionen auf Kosmetika und andere synthetische Chemikalien verantwortlich waren als auch für viele andere körperliche und psychologische Symptome. Zur selben Zeit wurde „Allergie" zu einer praktischen und populären Metapher für eine Reihe persönlicher, beruflicher oder politischer Antipathien. Manche Menschen verkündeten - nicht immer ironisch -, sie seien allergisch gegen harte Arbeit und Disziplin, gegen Montage, gegen Konkurrenten im Geschäft oder beim Sport, gegen andere Nationalitäten oder gegen ihre Schwiegermutter.

[...]

 

Eine "moderne Seuche"

 

1906 führte der junge österreichische Kinderarzt Clemens von Pirquet (1874 - 1929) einen neuen begriff in die Wissenschaftssprache ein. Mit der Absicht, einen konstruktiven Begriffsrahmen zum Verständnis und zur Erkundung einer Reihe scheinbar nicht zusammenhängender klinischer und experimenteller Beobachtungen innerhalb des im Entstehen begriffenen Gebietes der Immunologie zu schaffen, schlug Pirquet vor, den Begriff „Allergie" auf jede Art wechselnder biologischer Reaktionsfähigkeit anzuwenden. Seine Vorstellung einer veränderlichen Reaktionsfähigkeit umfasste nicht nur Immunität gegen Krankheiten, sondern auch Situationen, in denen ein Zustand so genannter Überempfindlichkeit oder Hypersensibilität zu einer Gewebeschädigung führte. So konnte man seiner Ansicht nach bei der Serumkrankheit, dem Heuschnupfen, Reaktionen auf Mücken- oder Bienenstiche und bei verschiedenen charakteristischen Reaktionen auf Nahrungsmittel, aber auch bei der Immunisierung von Menschen gegen gewöhnliche Infektionskrankheiten wie Diphtherie und Tuberkulose von einer Allergie sprechen.

 

Pirquets Wortschöpfung wurde von seinen Berufskollegen nicht gut aufgenommen. 1912 tat der berühmte französische Physiologe Charles Richet (1850 - 1935) den neuen Begriff nonchalant als überflüssig ab. Erhöhte Sensibilität auf Fremdkörper (oder, um dichter an Richet zu bleiben, fehlender Schutz gegen sie), so argumentierte er, würde bereits hinreichend durch seinen eigenen Begriff „Anaphylaxie" abgedeckt: „Pirquet und Schick haben die Reaktion eines Organismus auf eine fremde Substanz Allergie genannt, aber es schnent mir nicht nötig zu sein, dieses Wort zusätzlich zu dem Wort Anaphylaxie einzuführen." Noch etliche Jahre später konnten sich die ungarische Kinderarzt Béla Schick (1877 - 1967), der zusammen mit Pirquet an der Klärung der Mechanismen der Serumkrankheit gearbeitet hatte, und der in Österreich geborene Arzt Hans Selye (1907 - 1982) an die Feindseligkeit erinnern, mit der die Zeitgenossen auf Pirquet „überflüssige Publikation und die Einführung eines neuen und nutzlosen Begriffs" reagiert hatten.

 

Das widerstreben der Kritiker Pirquets, die neue Terminologie anzunehmen, war verständlich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden immunologische Vorgänge fast ausschließlich teleologisch als Schutz gegen eine Krankheit und nicht als potenzieller Gegenstand der Pathologie aufgefasst, Wie Pirquet selbst erkannte, war sein Beharren auf eine enge biologische Verbindung zwischen Immunität und Überempfindlichkeit in vieler Hinsicht nicht nachvollziehbar, da „die beiden Begriffe einander widersprechen". Es gab noch weitere Gründe für Widerstand gegen Pirquets Auffassung von immunologischen Erkrankungen. Obwohl die Serumkrankheit bei der Verabreichung von aus Pferden gewonnenen Antiseren für Menschen zum Beispiel gegen Krankheiten wie Diphtherie schon bald zu einem größeren Problem wurde, wurden die verschiedenen Leiden, für die Pirquet einen allergischen Ursprung annahm, allgemein als seltene, nicht tödliche Erkrankungen ohne großes klinisches Interesse angesehen. Verglichen mit anderen, dringlicheren medizinischen und sozialen Problemen der Moderne, wie steigende Sterblichkeitsraten durch akute Infektionskrankheiten, waren die allergischen Symptome in Krankenhaus und Labor lediglich eine Frage von begrenzter epidemiologischer, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Bedeutung.

 

Die zeitgenössische Ablehnung von Pirquets Formulierung einer immunologischen Reaktionsfähigkeit erwies sich jedoch als voreilig. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist „Allergie" nicht nur erfolgreich in den Wortschatz rechtmäßiger medizinischer leiden eingegangen, sonder auch in die Alltagskultur und Politik. Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren Allergien allgegenwärtig, verliefen meistens verhängnisvoller als früher und wurden augenscheinlich von einer immer größeren Anzahl von Allergenen ausgelöst. Im Vereinigten Königreich sowie in vielen anderen Industrieländern wurde bei einem von drei Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens entweder eine allergische Krankheit wie Asthma, Heuschnupfen und Ekzem oder eine Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergie diagnostiziert. Noch beunruhigender war, dass immer häufiger Kinder von Allergien befallen wurden und in Entwicklungsländer immer mehr allergische Krankheiten auftraten. Als Ergebnis dieser globalen Entwicklungen wurden allergische Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Volksgesundheitsproblem für Einrichtungen wie die Weltgesundheitsorganisation und zu einer Hauptbelastung nationaler und globaler Wirtschaftsressourcen. In den 1980er-Jahren wurden die Kosten für allergische Krankheiten in den vereinigten Staaten (in Form von Medikamenten, Krankenhausaufenthalten und Sprechstunden) auf 1,5 Milliarden Dollar jährlich geschätzt. Mitte der 1990er-Jahre war die Belastung auf schätzungsweise 10 Milliarden Dollar angestiegen. Einem 2003 vom Royal College of Physicians (Königliche Schule für Ärzte) in London veröffentlichten Bericht folgend, kosteten Allergien das britische Gesundheitswesen ungefähr 900 Millionen Pfund im Jahr, den Bereitschaftsdienst in Unfall- und Notstationen, Hausbesuche und die Krankenhausbehandlung nicht inbegriffen. Im Vereinigten Königreich machte die Behandlung von allergischen Krankheiten zehn Prozent (0,6 Milliarden Pfund) der Rezeptkosten der medizinischen Grundversorgung aus, eine Zahl, „ähnlich hoch wie die Kosten für die von Hausärzten ausgestellten Rezepte für Magen-Darm-Erkrankungen (zehn Prozent des Gesamtbudgets) und fast halb groß wie die für kardiovaskuläre Leiden (23 Prozent des Gesamtbudgets)".

 

In dem Maße wie Allergien in der Moderne zu einem wichtigen Thema für Kliniken, Hautärzte und Leiter des Gesundheitswesens wurden, wurden sie auch zu einem lukrativen Geschäft für die Industrie. Einige Pharmaunternehmen hatten seit Ende des 19. Jahrhunderts die Entwicklung von neuen Behandlungsmethoden gegen Heuschnupfen und Asthma finanziert, doch nach dem Zweiten Weltkrieg verschlang und erwirtschaftete die Produktion von Medikamenten zur Behandlung von allergischen Krankheiten große Geldmengen. Gleichzeitig veranlasste der starke Vormarsch von Allergien in der Moderne auch die Kosmetik- und Reinigungsmittelindustrie zu Investitionen, förderte die Entwicklung sorgfältigerer Produktionsstandards und die Beschriftung in der Lebensmittel- und Einzelhandelsbranche, führte zum Entstehen nationaler und internationaler Stiftungen, die neue Forschungen anstießen und Informationsblätter und Ratgeber für Patienten und ihre Familien verbreiteten, und beförderte eine ausführliche Berichterstattung in den Medien über die so genannte den Planeten heimsuchende „moderne Seuche" allergischer Krankheiten. 

[...]

Das plötzliche Auftreten der Allergie in der modernen Welt ist eine eindrucksvolle Sache. Es hat zu größeren Veränderungen bei den Theorien von Krankheiten und klinischer Praxis geführt, zum Entstehen und zur Koordination globaler Volksgesundheitsbelange, zur Zunahme multinationaler Pharmazeutik-, Kosmetik- und Reinigungsmittelunternehmen, zu bemerkenswerten Veränderungen bei den haushalts-, Luft- und Arbeitsplatzbedingungen, zu einer größeren gegenwärtigen Sensibilität für Ökologie und Umwelt und zu der technischen und kulturellen Vielschichtigkeit der biomedizinischen Wissenschaft. Daher erhellt die Geschichte der Allergie entscheidende Veränderungen in der modernen Medizin und Gegenwartskultur. Gleichzeitig wirft sie wichtige historiografische Fragen auf: Wie ist der bemerkenswerte, die Moderne kennzeichnende epidemiologische Wechsel von akuten Infektions- zu Degenerationskrankheiten zu verstehen? Wie soll man die Geschichte einer Krankheit aufarbeiten und dabei sowohl der existenziellen Wirklichkeit von Krankheitssymptomen als auch den sich verändernden Bedeutungen von Krankheiten gerecht werden? Und wie lassen sich die Wechselwirkungen der Gesetzmäßigkeiten und Bedeutungen von Krankheiten und Zivilisationsprozessen erkunden?

 

Autor des Artikels:

Mark Jackson,

Professor für Medizingeschichte an der University of Exeter. Autor verschiedener populärwissenschaftlicher Bücher seines Fachs.

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Mit freundlichen Genehmigung © Parthas Verlag GmbH 2007
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