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Der Handel mit Kunstschätzen und Antiquitäten - die Leidenschaft für griechische Vasen
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Der Handel mit Kunstschätzen und Antiquitäten - die Leidenschaft für griechische Vasen
10.08.2010
Skulpturen waren schon immer beliebt und wurden im Verlauf der Geschichte immer wieder geschaffen. Ihre Anziehungskraft und Schönheit sind offenkundig. Vasen sind anders. Wie Skulpturen wurden auch keramische Behältnisse im Verlauf der Geschichte an verschiedenen Orten und immer wieder hergestellt. Aber griechische Vasen sind etwas Besonderes, zum einen wegen der großen Vielfalt ihrer Formen, vor allem aber wegen der Dramatik der Malereien, die sie zieren und die eine ganz eigene Klasse bilden. Dies hat bei Händler, Kunstliebhabern, Kennern und Sammlern eine Leidenschaft entfacht, die die Liebhaberei sämtlicher anderer Vasen übertrifft.
Angesicht der schieren Zahl ausgegrabener Vasen kann kaum ein Zweifel an ihrer Beliebtheit im Altertum bestehen. Ein athenischer Dichter des 5. Jahrhunderts v. Chr., der die bemerkenswertesten Produkte verschiedener Völker aufführte, pries Athen für die Erfindung der Töpferscheibe, des Töpferofens und der erlesensten Keramikprodukte. Platon schrieb, eine edle Keramikvase könne sehr schön sein, wenn auch nicht so schön wie eine junge Frau. Plinius bemerkte, zu seiner Zeit (er starb 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuvs) benutze der überwiegende Teil der Menschheit irdene Gefäße. Einige römische Gräber enthielten bereits griechische und etruskische Vasen.
In der Moderne entwickelte sich die Leidenschaft für das Sammeln dieser außergewöhnlichen Relikte allerdings erst gegen Mitte des 18. Jahrhunderts. In den Sammlungen der Renaissance gab es zwar Vasen (laut Giorgio Vasari hatten zum Beispiel die Medici in Florenz eine Vasensammlung), und in einem römischen Kunstführer dieser Zeit werden bei fünf Sammlungen antike Vasen erwähnt, aber ihre Beliebtheit im 18. Jahrhundert folgte erst auf die Entdeckung der verschütteten Reste von Pompeji und Herculaneum. Diese Orte, die im Jahre 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs zerstört worden waren, der in weitem Umkreis Asche regnen ließ und in einem großen Gebiet etliche Städte zerstörte, wurden ab Ende der 1730er-Jahre und die ganzen 1740er hindurch entdeckt. Die Ausgrabung ganzer Städte - deren Einwohner von den plötzlichen Eruption so unerwartet getroffen wurden, dass sie mitten in der Ausübung ihrer täglichen Verrichtungen überrascht wurden und ihre Körper wie auf ewig erstarrt erhalten blieben - regte die Fantasie in Europa und anderswo an und war einer der Hauptgründe dafür, dass Archäologie so populär wurde. Es war eine lebendige Szene, mit der sich jeder identifizieren konnte. Ganze Zimmer, ganze Häuser, ganze Tempel und Gräber, Reihen von Geschäften und Villen, ja sogar ganze Theater wurden im Lauf der Jahrzehnte ausgegraben, mit bezaubernden Fresken, bedeutenden Skulpturen, Silberschätzen, Rüstungen und anderen Objekten, teils luxuriös, teils alltäglich.
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Dass griechische Vasen so hoch geschätzt werden, hat verschiedene Gründe. Zum ersten ist die Herstellung von Keramiken - Objekten aus Ton, die in einem Ofen gebrannt werden - eine der Praktiken, die eine Zivilisation definieren. Im nahen Osten wurden die ersten Töpfe um 6700 v. Chr. hergestellt. Zunächst waren sie einfach und unbemalt, aber man konnte trockene Vorräte wie Getreide und andere Samen außerhalb der Reichweite von Ratten und Vögeln lagern; flüssige Vorräte konnten so gelagert werden, dass nur sehr wenig verdampfte, was der Entwicklung von Bier und Wein förderlich war, und sie erleichterten den Transport und förderten dadurch den Handel. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Keramiken in Form, Funktion und Dekoration immer ausgefeilter. In der griechischen Klassik schließlich erreichte dieser Bereich menschlichen Schaffens seinen Höhepunkt.
Unser Wort „Keramik" kommt vom griechischen keramos, Töpferton. Das Gebiet Athens, in dem die Töpfer lebten, war den Römer als Ceramicus bekannt und schloss an die Agora, den Markt- und Versammlungsplatz an, entlang den Ufern des Eridanos. Der feine Ton von Ceramicus und die brillante Technik vieler griechischer Töpfer führten zur Kreation mannigfaltiger Vasenformen für verschiedene Funktionen. Wissenschaftler und Sammler unterscheiden heute etwa 100 unterschiedliche Formen, die jeweils ihren eigenen Namen haben. Eine amphora beispielsweise ist eine Vase mit zwei Henkeln für Lagerung und Transport. Das Wort krater bedeutet „Mischkrug" und beschreibt eine große Vase. Eine oinochoe ist ein kleiner Krug, der in den krater getaucht wurde, um den (mit Wasser gemischten) Wein in eine Trinkschale, eine kylix zu gießen. Die kylix wird manchmal auch „Symposion-Vase" genannt, weil sie oft in den Malereien auf den Vasen abgebildet ist und auf den abendlichen Gelagen verwendet wurde. Eine weitere gängige Vasenform ist die der hydria - ein dreihenkliger Krug, der auf vielerlei Weise eingesetzt wurde: zum Wasser holen, als Wahlurne für die Abstimmungen auf den Versammlungen und als Behältnis für die Asche der Toten. Das Wort psykter bedeutet „Kühler"; diese Vasen wurden mit einer Mischung aus Wasser und Wein gefüllt in einen mit kaltem Wasser gefüllten krater gestellt, um so den Wein zu kühlen. Ein lekythos ist eine Taschenflasche für kosmetische Öle, Parfüms oder Gewürze; häufig wurde sie auch im Zusammenhang mit Bestattungen benutzt, um ihren Inhalt über die Toten zu gießen. Eine kleine runde Flasche mit schmalem Hals, ein aryballos, wurde benutzt, um Öl aufzubewahren und auszugießen. In attischen Vasenmalereien ist oft zu sehen, wie diese Fläschen an den Handgelenken von Athleten baumeln. Ein alabastron ist ein kleines eiförmiges Gefäß für Parfüm, höchstens 10 bis 15 Zentimeter hoch. Es sind zwar um die 100 Vasenarten bekannt, aber nur etwa 20 wurden im Alltag verwendet.
Autoren des Artikel:
Peter Watson, Cecilia Todeschini
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