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Die Natur und ihre Symbole: Pflanzen

08.09.2010

 

In der Zeit der vorenzyklopädischen Wissenschaft war die Welt der Natur derart dicht mit symbolischen Bedeutungen überfrachtet, dass es für den heutigen Betrachter unmöglich geworden ist, sie in ihrer Komplexität und Fülle zu entschlüsseln. Was wie ein einfaches Stillleben aussieht, birgt unter Umständen eine außerordentlich reichhaltige Botschaft in sich, bei der jede einzelne frucht oder Blume eine spezifische Bedeutung besitzt.

 

Baum

 

Der Baum gilt seit jeher als sichtbarer Ausdruck göttlicher Gegenwart und wurde als Bindeglied zwischen himmlischer, irdischer und Unterwelt verehrt.

 

Im Nahen Osten wurde der Baum mit dem Kult der Mutter Erde und den mit der Ernte einhergehenden Fruchtbarkeitsritualen in Verbindung gebracht; auch der Mythos von Adonis, der aus einem Myrrhenbaum geboren wird, geht darauf zurück.

 

Auch in der christlichen Symbolik ist der Baum sehr bedeutsam: Gott lässt alle Arten von Pflanzen in Eden wachsen, darunter in der Mitte des Gartens den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Adam und Eva werden von der Schlange verführt, von den Früchten des Baumes der Erkenntnis zu kosten; die Folgen dieser Schuld trägt das gesamte Menschengeschlecht.

 

Auf Darstellungen der Leidensgeschichte Christi und der Auferstehung erscheinen oftmals ein verdorrter und ein blühender Baum, die auf die Erlösung im Gegensatz zur Sünde verweisen. Die gleichzeitige Anwesenheit beider Bäume kann zudem auf eine Gegenüberstellung von christlicher Kirche und jüdischer Synagoge anspielen. Der Prophet Jesaja erzählt, Jesus würde in die Familie von Davida Vater Isai (Jesses) hineingeboren. Seit dem Mittelalter wurde diese Behauptung bildlich in der Form eines Stammbaumes ausgelegt: der „Wurzel Jesse". Dabei wächst aus der Seite eines schlafenden Mannes ein Baum, auf dessen Ästen alle Ahnen Christi aufgeführt sind.

 

Getreide

 

Getreide ist die Frucht des Feldes schlechthin. In der Antike hieß es, dass Demeter es den Menschen schenkte.

 

In unzähligen Erzählungen und Passagen der Bibel ist vom Korn die Rede, angefangen bei Kain, der dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes darbrachte und dann seinen Bruder Abel erschlug. Ebenfalls in der Genesis wird der berühmte Traum von den Garben erzählt, den Josef, der Sohn Jakobs, hatte. Wenig später deutet er den Traum des Pharao, dem erst sieben fette und sieben magere Kühe, dann sieben pralle und sieben ausgedörrte Ähren erschienen waren.

 

Das Bildmotiv der Ähre und folglich des Brotes steht in einem engen Zusammenhang mit der Eucharistie: Während des letzten Abendmahls segnet Jesus das Brot und den Wein, sprich seinen Leib und sein Blut, das er für die Errettung der Menschen geopfert hat. Oft taucht es in Darstellungen der Geburt Christi auf, wo Jesus auf Ähren gebettet ist, die an das Brot der Eucharistie erinnern sollen. Im ikonographischen Kontext findet sich eine ähnliche Anspielung auf den künftigen Opfertod Christi in Darstellung Marias mit dem Kind, wenn diese einige Ähren oder ein Brot, gelegentlich zusammen mit einer Traube, in der hand hält. Die Allegorien des Sommers sowie der Monate Juni und Juli haben Ähren oder Garben als Attribute.

 

Palme

 

Die Palme wird wegen der harmonischen Anordnung ihrer Strahlen gleichenden Blätter seit Uhrzeiten mit dem Sommermythos assoziiert, der Vorstellungen von Ruhm und Unsterblichkeit weckt.

 

Die Palme, die den Siegern zum Zeichen des Sieges überreicht und im Triumphzug vorgeführt wurde, erscheint in der Legende von der Gründung Roms als ein gutes Omen. Ovid erzählt, Rhea Silvia habe kurz vor der Niederkunft einen Traum gehabt, in dem Romulus und Remus ihr in Gestalt von Palmen mit herrlichen Zweigen erschienen seien, die zum Himmel emporragten.

 

Das Christentum griff diese Symbolik auf und betrachtete weiterhin die Palme als Zeichen des Sieges, deutete diesen jedoch in einen Triumph des Martyriums über den Tod um. Dies ist der Grund, weshalb Heilige mit einem Palmzweig in der Hand abgebildet werden.

 

Autorin des Artikels:

Lucia Impelluso

 

 

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