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Kunst als Hobby?
26.07.2010
Ist vielleicht nicht etwas, woran die Masse denkt und sich einem direkt aufdrängt, aber auf den zweiten Blick: Warum nicht?
Ein Hobby soll sicher ein Ausgleich sein für das, was man so den lieben langen Tag üblicherweise tut. Die meisten werden nicht unbedingt im Kunst- und Kulturbetrieb zu Hause sein. Von daher gäbe es ein großes Potential, zunächst nur von der Anzahl der theoretisch in Frage kommenden Personen. „Aber geht denn das?" wird vielleicht als Einwand kommen, „Kann denn jeder Künstler sein?" Es wird da sicher Berührungsängste geben, und deshalb trifft man auch eher selten auf Personen, die auf die Frage nach Ihrem Hobby etwas „künstlerisches" angeben.
Es ist sicher eine Frage der bisherigen Erfahrungen und der Nähe zu der ausgesuchten Kunstform, vielleicht auch, ob man Kontakte zu Künstlern oder anderen Hobby-Künstlern hat oder eben nicht.
Ein anderer Aspekt ist wie immer das liebe Geld und die Kosten die mit dem Hobby verbunden sind. Im Unterschied zum Künstler, der davon leben muss, kann man sich aber ein künstlerisches Hobby eher leisten. Beim Hobby-Künstler schaut man weniger auf die Einnahmenseite, denn die muss vom ausgeübten Beruf oder Job stammen. Aber die Kosten der künstlerischen Betätigung sind natürlich auch zu bedenken.
Eine besonders kostengünstige Form der künstlerischen Betätigung ist das Schaffen digitaler Bilder. Man benötigt dazu einen Computer, der ohnehin in den meisten Haushalten anzutreffen ist und ein oder besser noch mehrere Bildbearbeitungsprogramme. Dabei muss nicht auf die Profiprogramme zurückgegriffen werden - Profit bedeutet hier auch viel Geld - sondern man benutzt kostenlose und dennoch anspruchsvolle Software wie z.B. Gimp.
Mit diesem Programm „zaubert" man dann erstaunliche abstrakte Bilder auf den Monitor. Ich spreche hier von meinen eigenen Erfahrungen. Ich gebe zu, es kostet auch ein wenig Zeit und man sollte es sich schon überlegen, wie man an dieses Hobby herangeht. Wenn man das Ziel - die digitalen Bilder - aus dem Auge verliert und sich überwiegend mit der Software beschäftigt, könnte sehr rasch das Interesse erlahmen.
Sieht man hingegen die Programme wie z.B. Gimp als Mittel zum Zweck und beschränkt sich bei der notwendigen Einarbeitung auf den gerade benötigten Programmteil, um ein konkretes Bild zu gestalten, dann wird der Erfolg - sprich das fertige Bild - die Belohnung sein. Gleichzeitig erwirbt man mit jedem Bild weitere Fertigkeiten in der Bildbearbeitung und dieses kommt dann auch den nächsten Bildern zugute.
Im Unterschied zum Malen mit Öl- oder Aquarellfalben benötigt man keine teueren Verbrauchsmaterialien und natürlich hat man auch keine Lagerprobleme wie sie bei Leinwänden auftreten könnten. Schließlich möchte man auch die Bilder zeigen und auch das geht bei digitalen Bildern über das Internet viel einfacher und kostet nichts. Eine eigene Homepage oder die Mitgliedschaft in einer Künstler-Community sind beispielsweise geeignet, um die eigenen Werke Freunden und anderen Interessierten zu zeigen und Kontakte zu Gleichgesinnten herzustellen.
Auf die eingangs gestellte Frage lautet meine Antwort: Kunst als Hobby kann eine große Bereicherung sein. Aus einem anfänglich zaghaften Versuch wird möglicherweise eine dauerhafte Freude an einem Hobby, das man nicht mehr missen möchte.
Autor des Artikels:
Manfred Hennig
Eichenweg 13
25767 Osterrade
www.computergrafiken-digitale-kunst.de
info@computergrafiken-digitale-kunst.de
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Rosen - die Ursprünge einer Blume
15.07.2010
Rosen - das sind winzige weiße, rosig umhauchte Knopfblüten oder aufrechte, fast samtschwarze Schönheiten. Es gibt pludrig zerzauste Knitterblüten in Bonbonrosa oder ungefüllte mit karminroten Farbakzenten. Wie sieht eigentlich eine typische Rose aus? Gibt es einen Archetyp Rose? Die meisten Menschen assoziieren spontan eine rote, gleichmäßig gefüllte, duftende Blüte, die sich aus edel zugespitzten Knospen entwickelt. Aber so eine Blume kam in der Natur nicht vor, sie wurde im Lauf vieler Jahrhunderte vom Menschen gezüchtet. Inzwischen, am Beginn des 21. Jahrhunderts, träumen manche Züchter von einer rein blauen, apart geformten Edelrose, die modernen Ansprüchen an Massentransport und Lagerung im Kühlhaus gerecht wird. Versuche mit blauer Farbe gehen bis auf das Mittelalter zurück. Vor der Möglichkeit gentechnischer Experimente war Blau allerdings so unerreichbar wie der Traum von der schwarzen Rose, die doch immer eine rote blieb. Die Erwartungen an die Blume aller Blume stiegen im Lauf der Zeit.
Vor vielleicht 5000 Jahren erfreuten sich Gärtner noch am flüchtigen Duft und der vergänglichen Schönheit einer winzigen fünfblättrigen hellen Blüte. Von Natur aus war sie eher unscheinbar. Und doch wurde keine Blume seit derart langer Zeit kultiviert und in höchster Kunstfertigkeit verändert. Kaum eine Pflanze lässt sich in ihren unzähligen Erscheinungsformen so weit zurückverfolgen wie die Rose. Die Menschen der Antike verehrten sie als „Königin der Blumen", heute gilt die Rose weltweit als beliebteste Gartenblume.
Ihr Wandel zeugt also nicht nur von gärtnerischen Errungenschaften, sondern erzählt vor allem davon, wie sich der Mensch im Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur zurechtzufinden versuchte. Und diese Suche wird in der Rose zum Symbol eine Jahrtausend alte Liebesgeschichte. Einer Liebe, die aus den Mysterien einer erstaunlich wandlungsfähigen Blüte geboren wurde, die die bildende Kunst seit 4000 Jahren befruchtete und die Literatur spätestens seit Homer, bei dem die Rose erstmals sicher als solche zu identifizieren war. Körperlich spürbar wird sie in den Gärten, denn diese Blume verführt mit ihrer Schönheit und ihren Reizen alle Sinne. Sie duftet in Nuancen so vielfältig wie edle Parfums. Sie schmeckt süß nach Früchten, abgerundet mit einem Schuss Bitteraroma. Ihre zarte Textur streichelt sich wie Samt und Seide. Farben von Reinweiß bis rötlich Schwarz zeigt sie und eine Formenvielfalt sondergleichen. Und hören könne man die Schönheit der Rose auch, heißt es - im Gesang der Nachtigall.
Die ältesten greifbaren Zeugnisse von Rosen sind Versteinerungen. Es gibt Funde in Amerika, Asien und Europa, auch in Gebieten, die heute klimatisch für die Rosenzucht nicht mehr taugen. Die am besten erhaltenen Versteinerungen stammen aus Colorado in den USA. Sie zeigen schlichtes Laub mit länglichen Blättchen und kleine, spitz gezipfelte Knospen. Auch die winzigen Hagebutten sind spitz, die Blüten ähneln am ehesten heutigen Brombeerblüten.
Die Anfänge der Urrosen liegen im Dunkeln. Manche nennen ohne Belege ein Alter von 65 Millionen Jahren, andere Forscher setzen aufgrund von genetischen Untersuchungen die Entstehungszeit der ersten Urrosen in der Trias an, also vor 200 Millionen Jahren. Dies sind jedoch Hypothesen. Selbst wenn die Rose „nur" 35 Millionen Jahre alt wäre, wie die datierbaren Funde aus Colorado, so hätte sie dem ersten aufrecht gehenden Hominiden doch einiges an Lebenszeit voraus. Denn der tauchte erst vor sechs Millionen Jahren auf. Als sich der moderne Mensch Homo sapiens vor etwa 150 000 Jahren entwickelte, war die Rose bereits Millionen Jahre alt.
Die Lebenswelt dieser Urrosen aus Colorado wurde wissenschaftlich recht eindrücklich rekonstruiert. Mit dem Oligozän hat sich vor 35 Millionen Jahren der Nordwesten der Neuen Welt stark verändert. Wo früher mehrere Tausend Jahre alte Mammutbäume in subtropischen Urwäldern 90 Meter in die Luft ragten, breitet sich in jener Zeit eine Grasweidenlandschaft in einem ausgedehnten Seengebiet aus. Elf bis 18 Grad beträgt das Jahresmittel. Damit ist es deutlich kühler geworden, und es regnet viel im üppig grünen Land. Weil die Wälder zurückgewichen sind, finden niedrige Pflanzen ideale Lebensräume. Die Tierwelt hat sich angepasst. Kleine Nager suchen nach Beute, Vögel fliegen durch die Luft. Blütenpflanzen in den gelichteten Zonen werden von Käfer, Wespen und einer Fülle von Schmetterlingen besucht.
Ein riesiges Brontops, eine Art gebuckeltes Doppelnashorn von vier Meter Länge, trampelt aus dem Gebüsch auf der Suche nach Pflanzennahrung. Ob Brontops halt macht vor den niedrigen Büschen mit den unscheinbaren Wildblüten? Rosa hilliae Lesquereux war als stachelbewehrter Busch zumindest gegen empfindlichere Pflanzenfresser gut geschützt. Der Paläobotaniker Leo Lesquereux, der als Erster die Rosenversteinerungen aus den Oligozänbetten in Colorado erwähnte, gab der Urpflanze den Namen Rosa hilliae. Später wurde sie auch Hill's Rose genannt. Lesquereux vermutete, eine eigenständige Rosensorte entdeckt zu haben. Aber später ausgegrabene Versteinerungen zeigen solch unterschiedliche Blatt- und Blütenformen, dass Wissenschaftler heute davon ausgehen, es könnten sich als Rosa hilliae bereits etwa zwölf amerikanische und asiatische Sorten und sechs europäische gruppiert haben.
[...]
Der Mensch ordnete sein Verhältnis zur Natur durch Kultur zuerst dort, wo man die Wiege der Zivilisation vermutet: im alten Mesopotamien. Hier begann auch nachweislich die Kultivierung der ältesten Lieblingsblume der Menschheit. Das Gebier Mesopotamiens, das über einen Zeitraum von ein paar Tausend Jahren von unterschiedlichen Stämmen und Kulturen besiedelt wurde, erstreckte sich einst zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, und, später bis hin zum Persischen Golf und zu den heutigen Ländern Türkei, Syrien und Ägypten. Der alte Kern Mesopotamiens lag auf dem Gebiet des heutigen Irak und in Grenzgebieten des Iran. Der erste schriftliche Nachweis von Rosen ist eine sumerische Keilschrifttafel, die diese Blume Amurdinnu oder Murdinnu nennt. Andere Texte erzählen von mesopotamischen Göttinnen, die Rosenperlen mit dem gleichen Namen trugen.
Das sich Übersetzer streiten, ob es sich um eine Wildrose oder ein Brombeergewächs handelte, ist nicht verwunderlich. Denn selbst die uralte Rose der Phönizier, die heute noch existente Rosa phoenicia, sieht fast so aus, als habe sie winzige weiße Brombeerblüten. Und die Brombeere ist botanisch gesehen ein Rosengewächs, eine Verwandte. Zuerst wird die Rose als Wildblume tatsächlich so ausgesehen haben, wie Rainer Maria Rilke in seinen Sonette an Orpheus dichtete:
„Rose, du thronende, denen im Altertume
Warst du ein Kelch mit einfachem Rand.
Uns aber bist du die volle zahllose Blume,
der unerschöpfliche Gegenstand."
In Mesopotamien wuchsen bald auch die Rosa persica mit einfachen fünfblättrigen Blüten und sehr langen, spitzen Blättern - und die Rosa chinensis, bereits leicht gefüllt in noch flacher Blüte, vielleicht rosa wie in so genannten rezenten Sorten, also der gegenwärtig bekannten Form. Deren duftende Blüte erinnert eher an die moderne Vorstellung von einer „typischen" Rose - und sie hat allen antiken Sorten eine Eigenschaft voraus: Sie büht mehrmals im Jahr. Es ist ein Gartenwunder, das wie eine Zeitreise anmutet: Weltweit sind Anfang des 21. Jahrhunderts über 30 000 Sorten Rosen bekannt, jährlich kommen allein in Deutschland 60 bis 70 neue dazu. Und doch lassen sich diese drei „mesopotamischen" Rosen heute noch anpflanzen.
Autorin des Artikels:
Petra van Cronenburg,
studierte Theologie und Judaistik in Tübingen. Seit fast 20 Jahren lebt die freie Journalistin und Autorin von Romanen und Sachbüchern in Frankreich, wo sie mit Leidenschaft historische Rosen in ihrem Garten sammelt.
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Mit freundlichen Genehmigung © Parthas Verlag GmbH 2008
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