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Aus der Praxis der Journalisten
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Die langjährige Erfahrung in der Beratung/Betreuung von kleinen und mittleren Unternehmen zeigt, dass diese im EDV-Bereich nicht immer das maximal technisch Mögliche und schon gar keine abgehobenen Spiel- und Versuchsfelder benötigen. Was gebraucht wird sind sichere, praktikable und kostengünstige Lösungen sowie langfristige, partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit ohne Fachchinesisch. Tugenden für die die WH IT-Beratung steht
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Aus der Praxis der Journalisten
20.07.2007
[...] Journalismus ist - entgegen der Aura, die er verbreitet - ein nüchterner Beruf. Er verlangt zugleich, und das ist kein Widerspruch, Menschen mit Fantasie. Gut aufgehoben im Journalismus sind Leute, die sich Tag für tag aus eigenem Antrieb anspornen können, um selbst unter schwierigen Zeit- und Produktionsbedingungen eine Zeitung auf den Markt bringen. Und die, wenn es sich verständlicherweise nicht zum Dauerzustand auswächst, sogar im stressgeladenen Arbeitsablauf verborgene Reize zu entdecken vermögen, dann nämlich, wenn die individuellen und kollektiven Anstrengungen dazu führten, dass man trotz widrigster Umstände die Druck- und Vertriebsmaschinerie nicht blockiert und das Blatt macht, das den Kunden erreichen soll.
Und wie sollten Journalisten und Journalistinnen sonst noch beschaffen sein, um einem schwierigen Auftrag und einem Handwerk mit großer Tradition gerecht zu werden? Es liegt nahe, diesen Beruf solchen Charakteren zu empfehlen, denen nicht nur Tempo, schnelles Reaktionsvermögen und der Blick fürs Wesentliche eingeschliffen sind, sondern die zugleich noch mit ein paar anderen Tugenden aufwarten. Wie wäre es mit Neugierde auf alle Facetten des Lebens? Mit Liebe zur Sprache? Mit der Fähigkeit zu konzentriertem Arbeiten, auch bei schwachem Licht auf der Bettkante eines schäbigen Hotels? Und wie wär's mit Teamgeist? Mit nie versiegender Lust, neugierig in den Tag zu gehen? Lassen wir Qualitäten, die für den produktiven Umgang mit Kollegen und Gesprächpartnern wichtig sind, hier unbenannt. Da wäre manches anzumerken und zu fordern, auch jenseits unsinniger Idealisierungen und Legenden.
[...]
Warum wollen junge Menschen Journalist werden? Schwer zu sagen. Gründe gibt es zuhauf. Oft ist es nur der Wünsch, sich schreibend selbst zu verwirklichen, oder tastend das Übungsgelände für eine Literaten-Karriere zu betreten. Andere träumen von nie endenden Reisen um den Globus, ein Leben on the road. Fast immer faszinieren zugleich die schillernden Partikel einer Existenz, die scheinbar weit genug entfernt ist vom Bürgerlichen, vom vermeintlich Spießigen. Dass dieser Beruf ganz einfach und viel treffender allerdings als Dienstleistungsgewerbe zu definieren ist, erschließt sich den meisten - wenn überhaupt - erst nach einer Reihe von Berufsjahren. Journalismus als staatsbürgerlicher Auftrag, das publizistische Gewerbe im Zustand fundamentaler Privilegien: So kann man es sehen. Und so betrachtet liegt es nahe, nach Gegenleistungen zu fragen. Wem also dient der Journalist? Reicht die klassische Antwort, also der Hinweis auf die Grundversorgung des Bürgers mit Informationen? Was ergibt sich daraus für das Selbstverständnis derer, die zum Nutzen der Leserinnen und Leser berichtend, erzählend, analysierend und kommentierend rund um die Uhr Gott und die Welt in den Griff zu bekommen versuchen?
Man muss den nun scheinbar kühn anmutenden Satz sagen, dass es ohne unabhängigen Journalismus keine Demokratie gibt, dass diese Staatsform ohne Pressefreiheit keine Legitimation hat. Wenn ein Beruf demnach in den parlamentarischen Demokratien des Westens ein solches Gewicht erhält, liegt es nahe, auch den Verlagen und ihren publizistischen Helfern die Bedeutung ihrer Existenz und ihre Verantwortung immer wieder vor Augen zu führen - dann nämlich, wenn die Sensibilität im Umgang mit der heiklen, leicht verderblichen Ware Nachricht zu schwinden droht, wenn Ereignisse und Fakten in den Sog politischer oder wirtschaftlicher Manipulation geraten, Schlagzeilen vom Text nicht mehr gedeckt werden, das Überprüfen der Bonität einer Informationsquelle vernachlässigt wird. Alarmierend sind betrugsverdächtige Borderline-Mentalitäten, deren Träger das Virtuelle als Wirklichkeit verhökern. Und die für sich in einem Anflug von Größenwahn beanspruchen, die Vorhut einer schönen neuen Journalistenwelt zu sein.
Das Kapital jeder Zeitung war, ist und bleibt Verlässigkeit. An jedem Tag gilt daher zuerst einmal: Apparat ankurbeln, um so präzise wie möglich die Wirklichkeit abzubilden. Auf Zahlen muss besonders geachtet werden, weil das in manchen Zeitungen häufig zu Irritationen führt. Milliarden und Millionen geraten selbst den Mitgliedern einer Wirtschaftsredaktion schon mal durcheinander. Und die kleinen Dinge darf man im Tagesangebot nicht gering schätzen, sie sind das Salz in der Suppe: Öffnungszeiten von Museen, Anfangszeiten der Kinos, Beginn der Gottesdienste, Anpfiff eines Fußballspiels, Termine für den Sperrmüll. Auf Serviceleistungen muss die Kundschaft sich verlassen können. Auch das ist Journalismus. Er beginnt nicht erst bei der großen Reportage, dem prestigeträchtigen Leitartikel, dem ausformulierten Feature oder dem erhellenden Interview. Außerdem: Je kritischer eine Zeitung auftritt, umso sorgfältiger müssen alle Texte redigiert sein, sonst führen selbst banale Fehler zum Verlust an Glaubwürdigkeit des gesamten Produkts.
[...]
Ratschläge - Ansichten
- Ein Journalist, der nicht mehr weiß als das, was in der Zeitung steht, weiß zu wenig.
- Journalismus ist Sache aus der zweiten oder dritten Reihe. Wer als Journalist in die erste will, die er doch in allen Bereichen aus der Distanz zu beobachten hat, sollte den Beruf wechseln.
- Neugierde ist unter Journalisten eine Kardinaltugend.
- Der Auftrag des Journalisten lässt sich auch als Bringschuld verstehen.
- Schüchterne Journalisten sind als Korrespondenten, Reporter und Interviewer kaum einsetzen. Wer schüchtern ist, wird seinem Gesprächpartner immer unterlegen sein und kritische Fragen meiden.
- Junge Kollegen und Kolleginnen, die schreiben als seien sie abgeklärt und weise, wirken genauso lächerlich wie alte Hasen, die im Jargon der Nachfolge-Generation auftreten.
- Ob das Studium der Publizistik die beste universitäre Vorbereitung auf den Journalistenberuf ist, wie manche glauben, darf bezweifelt werden. Für die Praxis nützlicher sind Wirtschaftswissenschaften, Jura, Sport, Germanistik, Musik, Medizin ...
- Lesen ist der Teil der Arbeit. Auch das Lesen anderer Zeitungen. Journalisten, die nur ins eigene Blatt schauen, verlieren die Fähigkeit zur Selbstkritik. Und Bücher nicht vergessen: Sie zwingen zur Konzentration auf lange Texte, Inhalte, schulen die eigene Sprache und bilden.
- Anerkannte Nachrichtenagenturen genießen großes Vertrauen. Ihre Texte bedürfen nach der Rechtsprechung sogar keiner weiteren Überprüfung. Dennoch können sie sich irren und deshalb gilt ein alter Grundsatz: „Warte auf die zweite Agentur" (Volker Wolff).
- Der Berufsalltag endet fast nie nach Ablauf der vorgegebenen Stundenzahl. Wer einen ruhigen, gleichmäßigen Job sucht, sollte die Medienlandschaft meiden.
- Journalismus ist Auswahl, Verzicht. Daran wird sich nie etwas ändern.
- Einer muss sich quälen: der Schreiber oder der Leser, meint Wolf Schneider.
- Nie beides gleichzeitig sein wollen: aktiver Teilnehmer einer Veranstaltung (Podiumsdiskussion ect.) und Berichterstatter.
- Jeder Journalist tritt immer auch stellvertretend für sein Blatt auf, nicht als Privatperson. Deshalb erwarten seriöse Kollegen und Kolleginnen von ihren Leuten vor Ort Beachtung ziviler Regeln.
- Journalisten und Journalistinnen müssen lernen, auch das Private im öffentlichen Raum zu respektieren. Bei Trauerfeier oder Beerdigungen zum Beispiel. Sensibilität und Fingerspitzengefühl sind dann professionelle Anforderungen, nicht die Jagd nach dem dramatischen Bild oder den tränenerstickten O-Tönen. Man muss rechtzeitig spüren, wann der eigene Auftritt skandalös zu werden droht.
- Termine, die kurz vor Redaktionsschluss enden, sollten gut vorbereitet sein, wenn am gleichen Tag noch berichte oder kommentiert werden muss. Rückblenden zum Beispiel, soweit sinnvoll, können bereits vor Beginn einer Veranstaltung geschrieben werden. Das spart später eine Menge Zeit, wenn es um Sekunden geht.
- Journalisten sind keine „Staatsbüttel". Mitarbeit in Geheimdiensten ist standeswidrig. Einem Bericht des Spiegel vom Mai 2006 zufolge, existierte in den Siebzigern eine Namensliste mit Journalisten, die engere Kontakte zum Bundesnachrichtendienst hielten. Das habe sich gelesen wie die Einladungsliste für den Bundespresseball. Rund hundert von ihnen hätten sich bereitwillig einspannen lassen, vor allem über ihre Auslandsreisen zu berichten.
- Bei Einladungen liegen gelegentlich Geschenke auf dem Tisch. Nicht annehmen, was den Rahmen einer kleinen Aufmerksamkeit sprengt. Uhren, Computer, teures Schreibgerät, wertvolle Münzen, Laptops, Handys, Aktien, kostenlose Nutzung von Kraftfahrzeugen (Testwagen ausgenommen) sprengen eindeutig den Rahmen, die Einladung zum Essen im Allgemeinen nicht. Im Zweifel gilt Verzicht.
- Auch Journalisten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Nicht alles, was sie über ihren Verlag wissen, darf nach außen getragen werden. Werden Interna ausgeplaudert und ziehen Konkurrenten Nutzen dar aus, kann das ein Kündigungsgrund sein. Verschwiegenheit ist auch ein Akt der Solidarität mit dem Haus, in dem man arbeitet.
- [...]
Autor des Artikel:
Roderich Reifenrath,
studierte Rechtswissenschaften in Köln und Mainz. 1962 begann er ein Volontariat bei der Allgemeinen Zeitung in Mainz. Von 1966 an war er Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau im Ressort Politik. Von 1986 an war er dort stellvertretender Chefredakteur und 1992 bis 2000 Chefredakteur der FR. Seit 1993 sitzt er in der Jury des „Wächterpreises der Tagespresse".
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